Hanfanbau, ehrlich erklärt
01
Der Standort
Hanf entwickelt in kurzer Zeit viel Biomasse. Ein gut vorbereitetes Saatbett, gleichmäßiger Feldaufgang und eine realistische Erntelogistik entscheiden über den Erfolg.
02
Die Fruchtfolge
Als zusätzliche Kultur schafft Hanf Vielfalt. Die konkrete Stellung in der Fruchtfolge hängt von Boden, Vorfrucht, Unkrautdruck und betrieblichem Ziel ab.
03
Die Ernte
Kornhanf braucht einen abgestimmten Erntezeitpunkt und schnelle Trocknung. Übernahme, Transport und Qualitätskriterien gehören vor der Aussaat geklärt.
Kapitel 1 · Warum Hanf
Was Hanf für deinen Betrieb tut
Hanf ist keine Modekultur. Er steht bei uns seit über zwanzig Jahren in der Fruchtfolge, und Günther baut ihn seit 2004 selber an. Was in der Zeit hängen geblieben ist, steht auf dieser Seite — auch das, was nicht so gut gelaufen ist.
Drei Jahre lang hat die Universität für Bodenkultur auf unseren Feldern Sortenversuche gefahren: sieben Hanfsorten, verschiedene Saatstärken, verschiedene Erntetermine. Ein Teil dessen, was hier steht, ist auf unseren Schlägen gemessen worden.
Er arbeitet am Boden mit. Hanf ist ein Tiefwurzler. Er geht runter, wo Getreide nicht mehr hinkommt, und lässt eine Struktur zurück, von der die Folgefrucht profitiert. Als Vorfrucht für Getreide ist er schwer zu schlagen.
Er hält das Feld sauber. Ein dichter Bestand beschattet den Boden nach wenigen Wochen so weit, dass Unkraut kaum noch durchkommt. Im Bio-Anbau ist das der Punkt, der den Ausschlag gibt: kein Hacken, keine Überfahrt.
Er braucht keine Sonderausrüstung. Gesät wird mit der Drillmaschine, die du hast. Gedroschen wird mit dem Mähdrescher, den du hast — mit ein paar Anpassungen, über die wir in Kapitel 5 reden. Wir vermitteln dir Lohndrescher, Trocknung und Reinigung. Du brauchst für den Einstieg keine einzige Investition.
Er braucht keinen Pflanzenschutz. Beizen entfällt, Fungizide entfallen. Das spart nicht nur Geld, das spart auch Dokumentation.
Was du realistisch erwarten kannst
Damit du rechnen kannst und nicht schätzen musst:
| Hanfstroh | im Schnitt rund 4 t/ha, je nach Standort und Jahr 2 bis 8 t, wird von der Dämmstoffproduktion abgenommen oder in den Boden eingearbeitet |
|---|---|
| Trockenmasse | bis zu 10 t/ha unter guten Bedingungen |
| Kornertrag | im Schnitt rund 700 kg/ha |
Die Spanne beim Stroh ist ehrlich gemeint. Zwischen einem guten und einem schlechten Hanfjahr liegt der Faktor vier, und das hängt an Boden, Wasser und Nährstoffversorgung. Und es ist auch nicht mit dem Kornertrag in Relation.
Wo Hanf nicht die richtige Antwort ist
Wenn du keinen Absatz hast. Hanfkorn ist keine Ware, die du am Lagerhaus abkippst. Wer ohne geklärte Abnahme anbaut, hat im Herbst ein Problem. Bei uns ist die Abnahme Teil der Sache — wie das läuft, steht hier.
Wenn dein Feld Nässe staut oder verdichtet ist. Das ist der eine Fehler, den Hanf nicht verzeiht. Mehr dazu gleich im nächsten Kapitel.
Wenn du den Erntetermin nicht halten kannst. Das Erntefenster ist eng, und nach dem Drusch muss das Korn innerhalb weniger Stunden zur Trocknung. Wer das nicht organisiert bekommt, verliert die Qualität — und damit den Preis.
„Die Anbaufehler haben wir schon selber gemacht. Du musst sie nicht wiederholen.“
Kapitel 2 · Standort und Etablierung
Wo Hanf gut steht
Hanf ist im Boden nicht heikel, aber in einem Punkt kompromisslos: Sauerstoff muss an die Wurzel. Verdichtete, staunasse und schwere Böden verträgt er nicht. Ein Feld, auf dem nach einem Gewitter im Juni das Wasser steht, ist kein Hanffeld. Dort verliert er den Bestand, und du siehst es erst, wenn es zu spät ist.
Was er mag:
- Tiefgründigen, durchlässigen Boden. Er will mit der Pfahlwurzel runter — und holt sich die Nährstoffe aus Tiefen, in die die meisten Kulturen nicht kommen.
- Wärme und Licht. Hanf ist eine wärmeliebende Pflanze. Hohe Temperaturen beschleunigen Jugendentwicklung, Massezuwachs und Abreife.
- Was der Boden hergibt. Auf einem guten Schlag steht ein guter Hanf. Schwerer Lehm und reiner Sand sind beide grenzwertig — nicht unmöglich, aber du holst nicht heraus, was drin wäre.
Hanf in der Fruchtfolge
Nach vorne ist Hanf ein Geschenk: Die Folgefrucht findet einen gelockerten, sauberen Acker vor. Getreide nach Hanf ist bei uns die Standardkombination.
Und Hanf nach Hanf? Geht. Hanf ist selbstverträglich, du musst keine Anbaupause einhalten. Wer Sclerotinia-anfällige Kulturen wie Sonnenblumen oder Raps in der Fruchtfolge hat, sollte trotzdem nicht jedes Jahr auf denselben Schlag gehen — sicherheitshalber, nicht weil der Hanf es verlangt.
Ein Punkt, an den man vorher denken sollte: Wenn Roggen, Weizen, Sonnenblumen oder Flughafer als Ausfallgetreide aus der Vorfrucht im Hanfbestand mitwachsen, kommt es zu erhöhten Reinigungsarbeiten, um die 99 % Reinheit zu erreichen, die Lebensmittelhanf braucht. Diese Körner lassen sich aus Hanfkorn nur schwer wieder heraustrennen. Das ist kein Ausschlussgrund — aber es ist ein Argument dafür, den Schlag mit Bedacht zu wählen.
Aussaat
Hanf kommt spät. Je nach Region wird zwischen März und Mai gesät. Entscheidend ist nicht das Datum und kein Thermometer, sondern der Acker: abgetrocknet, abgesetzt, befahrbar. Hanf braucht ein Saatbett mit Anschluss nach unten und lockere Erde darüber. Wer zu früh fährt, hat einen lückigen Bestand — und ein lückiger Hanf lässt Unkraut durch.
| Saattiefe | 3–5 cm |
|---|---|
| Reihenabstand | ca. 12 cm — die übliche Einstellung deiner Drillmaschine |
| Saatstärke | 35–40 kg/ha |
| Aussaatzeitraum | März bis Mai, je nach Region |
Gesät wird mit normaler Drilltechnik, in der Einstellung, die ohnehin drauf ist. Kein Beizen, keine Spezialschare, keine Einzelkornsaat. Wenn du Getreide anbaust, kannst du auch Hanf anbauen.
In trockenen Frühjahren zahlt sich Anwalzen nach der Saat aus.
Kapitel 3 · Saatgut
Saatgut, das auch bei uns am Acker steht.
Wir empfehlen unseren Vertragspartnern kein Saatgut, das wir nur vom Prospekt kennen. Was wir dir empfehlen, liegt im Frühjahr in unserer eigenen Drillmaschine. Wenn eine Sorte in einem nassen Mai zickt oder zwei Wochen später reif wird als versprochen, merken wir das auf unserem eigenen Feld — und du hörst es von uns, bevor du es selber ausprobierst.
UNSERE SORTEN
Zwei bewährte Wege ins Hanffeld.
Welche Sorte zu Standort, Anbauziel und verfügbarer Menge passt, klären wir im Gespräch. Verfügbarkeit und rechtliche Anforderungen werden für jedes Anbaujahr aktuell geprüft.
USO 31
Eine bewährte Nutzhanfsorte für den landwirtschaftlichen Feldanbau.
Fedora 17
Ebenfalls im EU-Sortenkatalog geführt und seit Jahren in der Praxis bekannt.
Unser Saatgut ist EU-zertifiziert und stammt großteils vom französischen Züchter Hemp-it und aus Deutschland. Wir bestellen einmal im Jahr gesammelt im Spätwinter: bessere Konditionen, und die Sorten sind wirklich da, wenn du sie brauchst.
Was verfügbar ist, entscheidet sich jedes Jahr neu. Die Produzenten schicken uns im Winter ihre Liste, und die schaut nie ganz gleich aus wie im Vorjahr. Deshalb der Rat: Sag uns früh, was du vorhast. Wer im April anruft, bekommt, was übrig ist.
Die zwei Sorten, mit denen wir arbeiten
USO 31 und Fedora 17. Beide sind monözisch — sie bilden einen gleichmäßigen Bestand, der zum selben Zeitpunkt reif wird. Das ist für den Drusch der entscheidende Punkt.
Und gleich vorweg: Die zwei unterscheiden sich weniger, als man glauben möchte. Wuchshöhe, Erntezeitpunkt und Saatstärke sind bei uns praktisch dasselbe. Der Unterschied liegt darin, worauf du hinaus willst.
| USO 31 | Fedora 17 | |
|---|---|---|
| Nutzungsschwerpunkt | Korn, Doppelnutzung möglich | Doppelnutzung Korn und Stroh |
| Wuchshöhe | 2–3 m, je nach Boden und Jahr | 2–3 m, je nach Boden und Jahr |
| Erntezeitpunkt | Anfang September | Anfang September |
| Saatstärke | 35–40 kg/ha | 35–40 kg/ha |
| Faseranteil im Stroh | 33–35 % | geringer |
| Ölgehalt im Korn | 31,3 % | 31,9 % |
| Proteingehalt | 23,8 % | 23,9 % |
| THC | unter 0,3 % laut EU-Sortenkatalog | unter 0,3 % laut EU-Sortenkatalog |
| Stärke | sehr kältefest im Jugendstadium, gilt als frühreifste zugelassene Sorte | höhere Kornerträge |
USO 31 ist seit 1997 in der EU-Sortenliste. Wenn dein Standort rau ist oder der Herbst früh kommt, ist das die sichere Variante. Fedora 17 bringt beim Korn (manches Mal) mehr, wenn ihr das Jahr passt.
Der Erntezeitpunkt schwankt regional um ein bis zwei Wochen. Welche Sorte auf deinen Boden und zu deiner Erntetechnik passt, klären wir am besten im Gespräch. Das dauert zehn Minuten und erspart dir eine Saison.
Neben diesen beiden führen wir je nach Verfügbarkeit weitere Sorten, unter anderem Finola für die reine Körnernutzung. Frag einfach an.
Bio oder konventionell
Für USO 31 gibt es Bio-Saatgut, allerdings nur in sehr begrenzter Menge. In der Praxis arbeiten die meisten unserer Vertragspartner deshalb mit konventionellem Saatgut und einer Ausnahmegenehmigung — das ist im Bio-Anbau der übliche Weg, wenn Bio-Ware nicht verfügbar ist.
Was in deinem Fall geht, schauen wir uns gemeinsam an. Wir kennen den Papierweg und lassen dich damit nicht allein.
Wie viel du brauchst
Für die ÖPUL-Auflagen sind mindestens 20 kg zertifiziertes Saatgut pro Hektar vorgeschrieben. Das ist die Untergrenze, nicht die Empfehlung.
Wir säen 35 bis 40 kg pro Hektar. Der dichtere Bestand drückt das Unkraut weg, ohne dass du hacken musst, er reift gleichmäßiger ab, und er wächst gleichmäßig hoch — was dir beim Drusch das Leben leichter macht. Die zehn Kilo mehr Saatgut sind billiger als eine Überfahrt.
Praktisch gerechnet: 10 Hektar sind 350 bis 400 Kilo, also 14 bis 16 Säcke.
25 Kilogramm. Größere Mengen auf Anfrage
Wir liefern ausschließlich in 25-kg-Säcken — das Gebinde, mit dem du am Feld arbeiten kannst. Für größere Mengen melde dich, dann nehmen wir dich in die Sammelbestellung mit.
Was du anbauen darfst, welche Sorten zugelassen sind und was du wo melden musst, steht weiter unten in Kapitel 6: Klar geregelt statt falsch versprochen. Die offiziellen Angaben findest du bei der AGES.
Du musst noch nicht wissen, wie viel du genau brauchst. Schreib uns, wie viel Fläche du vorhast und ob du schon eine Sorte im Kopf hast — den Rest klären wir miteinander.
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25 Kilogramm. Größere Mengen auf Anfrage.
Schick uns Fläche, Wunschsorte und Kontaktmöglichkeit. Wir melden uns mit Verfügbarkeit, Preis und den nächsten Schritten.
Wir liefern ausschließlich in 25-kg-Säcken — das Gebinde, mit dem du am Feld arbeiten kannst.
Was du anbauen darfst, welche Sorten zugelassen sind und was du wo melden musst, steht weiter unten in Kapitel 6.
Du musst noch nicht wissen, wie viel du genau brauchst. Schreib uns, wie viel Fläche du vorhast und ob du schon eine Sorte im Kopf hast — den Rest klären wir miteinander.
Kapitel 4 · Anbau und Bestandsführung
Die ersten Wochen entscheiden
Hanf macht die meiste Arbeit selber — aber erst, wenn er steht. Bis der Bestand geschlossen ist, ist er verletzlich. Danach hast du bis zur Ernte wenig zu tun.
Auflaufen. Bei ausreichend warmem Boden geht Hanf zügig auf. USO 31 verträgt Kälte im Jugendstadium ausgesprochen gut — das ist der Grund, warum wir sie in raueren Lagen empfehlen.
Jugendentwicklung. Die ersten zwei bis drei Wochen passiert oberirdisch wenig Spektakuläres. Die Pflanze arbeitet an der Wurzel. Wer in dieser Phase nervös wird, macht Fehler.
Bestandsschluss. Nach vier bis sechs Wochen ist der Bestand zu. Ab da läuft es: Der Bestand beschattet den Boden, das Unkraut hat verloren, und du kannst am Feld vorbeifahren, ohne stehen zu bleiben.
Unkraut: nicht striegeln
Der geschlossene Bestand ist deine Unkrautregulierung. Kein Nebeneffekt, sondern der Hauptgrund, warum Hanf im Bio-Betrieb funktioniert.
Gestriegelt wird nicht. Weder im Vorauflauf noch danach. Und das hat einen handfesten Grund: Hanf stellt sich nach einer Überfahrt nicht wieder auf. Was du niederfährst, bleibt liegen. Der Bestand regelt das Unkraut selber, wenn er dicht genug ist — und wenn er es nicht tut, hilft der Striegel auch nicht mehr.
Damit das aufgeht, müssen zwei Dinge stimmen: eine Saatstärke von 35 bis 40 kg/ha und ein Boden, der genug hergibt, damit die Pflanzen zügig zumachen. Wer bei einem der beiden spart, schaut im Juni auf ein Unkrautfeld.
Wenn der Bestand lückig aufgeht
Das kommt vor. Kaltes Frühjahr, Verschlämmung, eine Ecke, die zu nass war. Und ganz generell: Es geht nie alles auf, was du säst — mit einem Teil Ausfall ist immer zu rechnen.
Wird es dir zu wenig, ruf an, bevor du etwas machst. Ein Telefonat und ein paar Fotos vom Feld — daraus sehen wir meist in fünf Minuten, ob der Bestand durchkommt, ob nachsäen Sinn hat oder ob man die Fläche besser anders nutzt. Das ist billiger als eine Entscheidung, die du allein triffst und im September bereust.
Günther erreichst du unter 0699 115 20085.
Düngung
Gedüngt wird nicht. Hanf holt sich die Nährstoffe mit seiner Pfahlwurzel aus Tiefen, die andere Kulturen nicht erreichen. Der Entzug ist beachtlich — rund 100 bis 150 kg Stickstoff und 200 bis 300 kg Kalium je Hektar. Er deckt ihn aus dem Boden, nicht aus dem Sack.
Was dein Boden hergibt, entscheidet dann über den Ertrag. Auf einem guten Schlag steht ein guter Hanf, auf einem schwachen ein schwächerer. Das ist der ehrliche Zusammenhang, und er lässt sich nicht wegdüngen.
Rechne es einmal durch: Bei den Betriebsmitteln ist Hanf eine der günstigsten Kulturen, die du fahren kannst.
Krankheiten, Schädlinge, Wild
Der angenehme Teil: Hier steht wenig. Hanf hat in unseren Breiten kaum Probleme, die eine Behandlung nötig machen. Es wird nicht gebeizt, es werden keine Fungizide gefahren. Was auftreten kann — Hanfmotte, Blattläuse, ein bisschen Blattpilz — richtet in aller Regel keinen wirtschaftlichen Schaden an.
Zwei Dinge solltest du trotzdem im Auge behalten. Starker Insektenbefall am Feld kann sich bis in die Ware ziehen — ein Lebensmittel muss frei von Insekten sein, und wenn der Befall hoch war, reicht die normale Reinigung nicht mehr, dann muss eine Spezialreinigung durchgeführt werden. Und Wildschäden siehst du besser früh als spät.
Wenn dir am Feld etwas auffällt — schlechtes Wachstum, Hagel, Dürre, Wild — sag uns Bescheid. Nicht, weil es im Vertrag steht, sondern weil wir dann noch reagieren können. Und sehr oft reicht ein Bild via WhatsApp und Günther gibt dir Klarheit
Bewässerung
Nein. Hanf kommt mit dem aus, was vom Himmel kommt, und ist durch seine Verwurzelung ausgesprochen trockenheitsverträglich. Was er nicht verträgt, ist zu viel — stauende Nässe kostet dich den Bestand. Und klar wenn es überhaupt nicht regnet, so wie 2026 im Weinviertel, dann ist zuwenig Kraft da um Körner zu bilden.
Kapitel 5 · Ernte und Nachernte
Das ist das Kapitel, in dem die meisten Fehler passieren. Nicht weil die Ernte schwierig wäre, sondern weil danach die Uhr läuft — und weil beim Hanf am Ende Lebensmittelqualität herauskommen soll, nicht Futterware.
Der Erntezeitpunkt
Gedroschen wird bei uns Ende August bis Anfang September, regional ein bis zwei Wochen früher oder später. USO 31 reift früh und zuverlässig — das ist ihr Hauptargument, wenn dein Herbst kurz ist.
Woran du es siehst: an der Farbe der Körner — und daran, dass die ersten anfangen auszufallen. Wenn die ersten Körner am Boden liegen, ist es so weit.
Wie eng das Fenster ist, wurde bei uns gemessen. In einem Erntevergleich auf unseren Feldern lagen Anfang September und Mitte September im Ertrag praktisch gleichauf. Anfang Oktober waren bis zu 60 Prozent weg — die Körner lagen am Boden, abgeworfen durch Wind, Wetter und Vogelfraß. Zwei Wochen zu spät kosten dich mehr als jeder Anbaufehler davor.
Zu früh dreschen kostet auch: Unreife grüne Körner sind kleiner, gehen zum Teil bei der Reinigung mit hinaus, und wenn der Anteil hoch ist, braucht die Charge einen Durchgang über den Farbausleser. Beim ersten Mal schauen wir gemeinsam drauf.
Der Drusch
Gedroschen wird mit einem gewöhnlichen Mähdrescher, der für Hanf angepasst wurde. Du brauchst keine Spezialmaschine — aber du brauchst die Anpassung, weil sich die Fasern um alles wickeln, was sich dreht.
Wie genau umgebaut wird, verrät dir keiner. Das ist das Betriebskapital der Lohndrescher, und ehrlich gesagt: Es muss dich auch nicht interessieren. Wir arbeiten mit Leuten zusammen, die Hanfdreschen gewohnt sind, und stellen den Kontakt her. Für viele unserer Partnerbetriebe ist das der einfachste Weg in die Kultur — du musst nichts umbauen und nichts riskieren.
Eine Sache, die oft schiefgeht: Der Drescher und alles, was danach kommt — Anhänger, Schnecken, Lager — müssen sauber sein. Zwei Gründe. Erstens Öl: Eine undichte Hydraulik oder ein schlecht gewartetes Gerät kontaminiert die Ware, und Erdöl im Lebensmittel ist nicht reparierbar. Zweitens Fremdkorn: Roggen, Weizen, Flughafer, Buchweizen und Sonnenblumen bekommst du aus Hanfkorn nicht mehr oder nur mit einem speziellen Farbausleser heraus. Der Fremdbesatz muss unter 0,5 % bleiben — Lebensmittelhanf braucht 99 % Reinheit. Kulturartenrein fahren heißt: vorher ausblasen, nicht nachher hoffen.
Danach zählt jede Stunde
Das ist der wichtigste Abschnitt auf dieser Seite.
Wie feucht das Korn aus dem Drescher kommt, ist von Jahr zu Jahr verschieden — 15 Prozent sind keine Seltenheit. Angeliefert werden darf es mit maximal 7. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt die ganze Dringlichkeit.
Hanfkorn muss deshalb sofort nach dem Drusch zur Trocknung. Frisch gedroschen ist es feucht und ölhaltig und beginnt augenblicklich zu arbeiten. Wer den Anhänger über Nacht stehen lässt, hat am nächsten Morgen keine Lebensmittelqualität mehr. Das ist kein Erfahrungswert, das ist eine Vertragsbedingung — und zwar aus gutem Grund.
Getrocknet wird bei maximal 45 °C. Höher darf es nicht werden: Bei zu hoher Temperatur springt die Kornschale auf, die Haltbarkeit ist dahin, und die Omega-3-Fettsäuren, wegen derer das Korn überhaupt gekauft wird, sind zerstört. Schonend und schnell ist kein Widerspruch — es ist eine Frage der Anlage.
Wenn du keine eigene Trocknung hast, ist das kein Ausschlussgrund. Wir kennen die Anlagen in der Umgebung und sagen dir, wohin du fährst.
Reinigung
Gereinigt wird über ein 2,3-mm-Langlochsieb oder ein 3-mm-Rundlochsieb, dazu Windkanal und in der Regel Gewichtsausleser. Leere Körner müssen heraus.
Ein Detail, das viele übersehen: Der feine Staub muss weg. Er enthält THC und macht bei der Analyse Probleme — nicht weil mit deinem Hanf etwas nicht stimmt, sondern weil der Staub das Ergebnis verfälscht.
Auch hier gilt: Du musst keine eigene Reinigung haben. Wir vermitteln dir die Reinigungsstelle.
Das Stroh
Nach dem Drusch bleibt das Stroh am Feld — im Schnitt rund 4 Tonnen pro Hektar, je nach Standort und Jahr zwischen 2 und 8.
Das ist kein Abfall. Hanfstroh wird für die Dämmstoffproduktion abgenommen. Wir stellen den Kontakt gerne her — dann hast du aus einer Kultur zwei Erlöse. Wer das Stroh am Feld lässt, arbeitet es ein und gibt die organische Masse dem Boden zurück.
In beiden Fällen musst du häckseln. Auch wenn das Stroh am Acker bleibt, sind ein bis zwei Häckselvorgänge nötig. Sonst wickeln sich die Fasern bei der Saat der Nachfrucht in die Technik — das ist der Ärger, den Einsteiger im ersten Jahr am wenigsten erwarten.
Was du melden musst und welche Regeln beim Hanfanbau gelten, steht im nächsten Kapitel. Klar geregelt statt falsch versprochen →
Kapitel 6 · Rechtliches
Klar geregelt statt falsch versprochen.
Um den Hanfanbau ranken sich Geschichten. Die Wahrheit ist unspektakulär: Für einen landwirtschaftlichen Betrieb ist Hanf eine ganz normale Ackerkultur mit ein paar zusätzlichen Auflagen. Wer die einhält, hat keine Probleme — und die Auflagen sind überschaubar.
Die drei Bedingungen
1. Die Sorte muss zugelassen sein. Angebaut werden darf nur, was im „Gemeinsamen Sortenkatalog für landwirtschaftliche Pflanzenarten“ der EU eingetragen ist. USO 31 und Fedora 17 stehen dort. Bevor eine Sorte hineinkommt, durchläuft sie eine zweijährige Registerprüfung auf Uniformität, Beständigkeit und Unterscheidbarkeit — in Österreich zusätzlich eine mindestens zweijährige Wertprüfung an verschiedenen Standorten. Was du in den Boden legst, ist also gründlich geprüft.
2. Der THC-Gehalt muss unter 0,3 % liegen. Der Wert bezieht sich auf die stehende Kultur in der Trockenmasse, nicht auf das geerntete Korn. Im Korn selbst liegt der Gehalt um ein Vielfaches darunter. Das ist keine Hürde, die du aktiv einhalten musst — es ist eine Eigenschaft der zugelassenen Sorten. Deshalb ist die Sortenwahl aus Punkt 1 der eigentliche Punkt.
3. Es muss zertifiziertes Originalsaatgut sein. Nachbau ist beim Hanf nicht zulässig. Du kaufst jedes Jahr zertifiziertes Saatgut, und du hebst die Belege auf — dazu gleich mehr.
Was du dokumentieren musst
Der Papierteil ist der Teil, bei dem die meisten unsicher sind. Er ist kürzer, als man denkt.
Saatgutbelege aufbewahren. Also den Sackanhänger. Rechnung und die amtlichen Etiketten der Saatgutsäcke. Die brauchst du auch zum Mehrfachantrag bei der BBK. Bei einer Kontrolle am Feld musst du die Sackanhänger vorlegen können. Wirf sie nicht weg, wenn du den Sack aufschneidest — das ist der häufigste Fehler im ersten Jahr.
Fläche melden. Im Mehrfachantrag gibst du an, auf welchen Schlägen du Hanf anbaust. Dazu lädst du Kopien der Originaletiketten und des Rechnungsbelegs hoch — Sorte, Menge und Etikettennummer müssen leserlich sein. Baust du mehrere Sorten an, bildet jede Sorte einen eigenen Schlag.
Blühbeginn melden. Sobald der Bestand zu blühen beginnt, meldest du das der AMA. Aus Blühbeginn und Sorte errechnet sie das Blühende — daraus ergibt sich das Zeitfenster für die Kontrolle.
Mindestsaatmenge einhalten. Für die ÖPUL-Auflagen sind mindestens 20 kg zertifiziertes Saatgut pro Hektar vorgeschrieben. Mit unserer Empfehlung von 35 bis 40 kg/ha bist du ohnehin darüber — siehe Kapitel 3.
Das machen wir mit dir gemeinsam. Bei den Meldungen lassen wir dich nicht allein. Für unsere Vertragspartner ist das Teil der Sache.
Was bei einer Kontrolle passiert
Kontrolliert werden rund 30 Prozent der gemeldeten Hanfflächen, zufällig ausgewählt — wobei jede in Österreich angebaute Sorte mindestens einmal drankommt. Die Probe zieht die AMA selbst: mindestens 30 cm Pflanzenmaterial von mindestens 50 Pflanzen. Analysiert wird bei der AGES.
Bei Sorten aus dem EU-Sortenkatalog ist das ein Routinevorgang. Die Beanstandungsquote liegt unter einem Prozent — Grenzwertüberschreitungen kommen praktisch nicht vor.
Ein Detail aus der Praxis, das damit zusammenhängt: Bei der Reinigung muss der feine Staub entfernt werden. Er enthält THC und verfälscht die Analyse — nicht weil mit deinem Hanf etwas nicht stimmt, sondern weil das Ergebnis dann nicht die Ware abbildet. Mehr dazu in Kapitel 5.
Bio-Betriebe
Bio-zertifiziertes Hanfsaatgut ist nur sehr begrenzt verfügbar. In der Praxis arbeiten die meisten Bio-Betriebe mit konventionellem ungebeizten Saatgut und einer Ausnahmegenehmigung — das ist der vorgesehene Weg, wenn Bio-Ware am Markt nicht zu bekommen ist. Wir kennen den Ablauf und unterstützen dich dabei.
Weitere Informationen findest du hier:
AGES ↗ EU-Kommission ↗ EU-Sortenkatalog ↗
PRAXIS VOR THEORIE
„Die Anbaufehler haben wir schon selber gemacht. Du musst sie nicht wiederholen.“
Vertragslandwirte bekommen klare Vorgaben und einen direkten Ansprechpartner während der Saison.